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12Jan/12

Castle Story und das Beta-Phänomen

Für eine Beta eines Spiels zahlen – oder sogar für eine Alpha? Da hätte ich gemeint: „Nie im Leben! „ … bis vor kurzem – oder besser gesagt: Bis vor Minecraft.

Was kreative und moderne Finanzierung angeht, da hat Minecraft einiges vorgemacht. Markus Persson, der Erfinder von Minecraft, hat Millionen Menschen dazu gebracht, was ich bis vor einiger Zeit für unmöglich gehalten hätte, nämlich für das Beta-Testen zu zahlen. In Aussicht gestellt wird einem dabei im Gegenzug, gegen Einmalzahlung, eine lebenslange Lizenz und lebenslange Updates bis hin zur Vollversion und darüber hinaus.

Project Zomboid macht das zur Zeit nach. Das Spiel ist noch in der Alpha-Phase, kann aber bereits gekauft werden. Wie bei Minecraft wird der Preis nach und nach bis zur Vollversion erhöht.

Lohnt sich das für den Spieler und das (Indie)-Studio? Ich finde ja. Zum einen spart sich der Spieler dank der lebenslangen Lizenz als Früheinsteiger – z.B. in der Alpha-Phase - ein paar Euro und zum anderen hat das Studio bereits während der Entwicklung Geld, was das Überleben professioneller Indie-Studios sehr erleichtert.

Der Spiel-Spaß kommt aber auch nicht zu kurz. Das Spiel wird in den Vermarktungsmodellen, wie sie Minecraft oder Project Zomboid verwenden, nämlich nicht nur wieder und wieder durch den Bugfix-Prozess gejagt, oft viel wichtiger sind die neuen Spielelemente und -inhalte, die laufend dazu kommen. Für den Spieler ergibt sich so das Gefühl, laufend etwas neues entdecken zu können und für das Studio wiederrum ist es die beste Qualitätssicherung, die man haben kann, Tausende oder bis Millionen von Spieler auf das unfertige Spiel loszulassen. Weil, wer bezahlt hat, legt auch ein ganz anderes Spielverhalten an den Tag als wie man es bei Open- oder Closed-Beta-Testern beobachten kann. Kein Wunder, wird man auch nicht alle 15 Minuten mit einem 2-seitigen Fragebogen genervt, sondern bringt von sich aus die Motivation mit, Bugs und Feature-Wünsche an die Entwickler zu melden. Man fühlt sich mehr als Teil des Projektes und weniger als Tester.

Um dem Titel dieses Beitrags noch gerecht zu werden: In letzter Zeit sehe ich, speziell am Beispiel Castle Story, dass Indie-Studios noch einen Schritt weiter gehen könnten. Von Castle Story gibt es noch keine spielbare Version zum Download oder Kauf, nur ein Video einer frühen Alpha-Version. Wie eine Reihe von Tweets sowie Blogeinträge zeigen, wird das Spiel sehnlichst erwartet und viele Leute würden schon vorab ihr Geld dafür geben. Plattformen wie Kickstarter zeigen auch, dass Vorfinanzierung bzw. Zusage von Mitteln funktionieren kann.

Hier findet gerade eine sehr spannende Entwicklung auf dem Spielemarkt statt und die längst verloren geglaubten „goldenen Zeit“ der 90er Jahre, in denen kleine Teams geniale Spiele programmiert haben kommt gerade wieder.

Weiterlesen:

Minecraft - Project Zomboid - Castle Story - Kickstarter

von tomdotio - aus der Reihe “to whom it may concern”


tomdotio ist im Privatleben bekennender Geek und Simulations-Gamer und umgibt sich beruflich mit allerlei Hard- und Software.
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Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Sehr schöner Beitrag :)


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